„Die Edelweißpiraten“ – eine Lesung von Dirk Reinhardt in der Aktionswoche
Der Autor Dirk Reinhardt schilderte in seiner Lesung, wie mehrere 1000 Jugendliche, Kinder von Arbeitern im Ruhrgebiet, im Alter von ca. 14 Jahren durch ihren Widerwillen gegen die Gleichschaltungsmechanismen der Nationalsozialisten in den Focus der Gestapo gerieten. Ursprünglich nicht an Politik interessiert, sehr wohl aber an der persönlichen Freiheit, nach einem langen Arbeitstag in der Rüstungsindustrie die geringe Freizeit eigenständig zu gestalten und sich nicht in der Hitlerjugend der paramilitärischen Erziehung auszusetzen, organisierten sich diese Jugendlichen gegen das Gesetz, dass alle Gleichaltrigen sich den NS-Jugendgruppen einzugliedern hatten.
Schon äußerlich an den längeren Haaren sich von den „Kindern des Führers“ zu unterscheiden führte unweigerlich zu Straßenschlachten und Massenprügeleien mit der gleichgeschalteten Jugend, was wiederum die Kriminalpolizei, also die SS und die Gestapo auf diese Freigeister aufmerksam werden ließ. Nun entwickelten die „Edelweißpiraten“ zunehmend politisches Bewusstsein und drückten ihre Unzufriedenheit aus mit nachts im Untergrund gedruckten und heimlich verteilten Flugblättern oder mit an die Häuser oder Bahnstrecken geschmierten Parolen, an denen die Nachschubzüge für die Wehrmacht vorüberfuhren. Dazu sammelten sie auch die von englischen Bomberpiloten abgeworfenen, in deutscher Sprache zum Widerstand gegen die Waffenindustrie aufrufenden Flugblätter ein und steckten diese -trotz angedrohter Todesstrafe - nachts in die Briefkästen. Ihre handwerklichen Kenntnisse nutzten die Widerstandskämpfer auch, um große, mit Waffen beladene Güterzüge entgleisen zu lassen. Einige Jugendliche gaben sich ganz ihrem Kampf im Untergrund hin, bewaffneten sich und führten auch Sprengstoffanschläge aus. Dies konnte nicht ohne Folgen bleiben. Viele Edelweißpiraten wurden gefasst, geschlagen und unter Folter verhört. Das KZ Mooringen im heutigen Niedersachsen überlebten kaum einige der jungen Menschen. In Köln – Ehrenfeld wurden zur Abschreckung vor den Augen der Eltern z.B. ein 16-Jähriger öffentlich hingerichtet. Heute ist die Kölner Gestapozentrale ein Dokuzentrum, in dem die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit versucht wird.
Die beeindruckende Lesung endete mit Fragen der Schüler zum Kennzeichen der Widerstandsgruppe – dem Edelweiß, das niemand im Ruhrgebiet verorten würde. Dieses Abzeichen der Gebirgsjäger imponierte den Jugendlichen, die ihr Erkennungszeichen nur verdeckt unter dem Jackenkragen trugen. Daneben interessierten sich die Schülerinnen und Schüler für die Ideenfindung, die Recherche- und die reine Schreibzeit, die für ein Buch zu veranschlagen sei.
Das Jugendbuch befindet sich auch in unserer Schülerbücherei für die wissbegierige Leserin und den forschenden Leser, die sich der Geschichte intensiver widmen möchten.
B. Richt (Fachschaft Deutsch)